die Herrnhuter in Herrnhaag

1738 – 1750

Nur zwölf Jahre hat die Brüdergemeine Herrnhaag bestanden. In diesen Jahren wurde sie zum Zentrum der weltweiten Missionsarbeit der Herrnhuter. Fast 1000 Einwohner zählte der Ort, allein 600 Missionare sind von hier ausgegangen, um in verschiedenen Erdteilen, bei Sklaven und Indianern, unter „Hottentotten und Eskimos“ die frohe Botschaft von der Liebe Gottes zu verkünden und in kleinen Modellgemeinden zu veranschaulichen. Gleichzeitig entstanden auch in Europa neue Brüdergemeine-Siedlungen.

Das Losungsbüchlein von 1739 nennt bereits 37 verschiedene Orte und Regionen in vier Erdteilen, wo Herrnhuter Brüder im Dienst des Evangeliums stehen. In der Abschiedsrede, die Zinzendorf im Herrnhaager Saal der im Aufbruch befindlichen Gemeinde hielt, heißt es: „Es träumte niemand, dass das ganze Werk hier an der Haager Kirche ein Haus Gottes für die ganze Welt werden sollte. Aber der Heiland hat es so gewollt. Wir haben hier in 25 Sprachen zugleich dem Heiland gesungen, mehr als einmal… „

Nach dem Tod von Fürst Ernst Casimir von Ysenburg-Büdingen gewann unter dessen Sohn und dem Regierungsrat Brauer eine eher absolutistische Haltung in der Büdinger Regierung Gewicht, die dem wirtschaftlichen Erfolg und der religiösen Attraktivität der Herrnhaager kritisch ablehnend gegenüber stand. Man forderte von der Herrnhaager Gemeinde nicht nur die Huldigung sondern verlangte von ihnen auch die Abkehr von Zinzendorf. Beides wurde von den Brüdern in ihrer Gemeindeversammlung 1750 abgelehnt. Infolgedessen sollten Sie innerhalb von drei Jahren die Siedlung verlassen – aber schon sehr viel früher vor Ablauf der gesetzten Frist lebten nur noch einige wenige Menschen auf dem Herrnhaag.