wie alles begann

Von Herrnhut nach Herrnhaag

Als 1738 auf dem Haagberg, fünf Kilometer südlich von Büdingen, mit dem Bau einer Siedlung der Herrnhuter Brüdergemeine begonnen wurde, war dieser Platz bereits geschichtlich geprägt. Über seine Höhe führte eine der alten Handelsstraßen, Hohe oder Reffenstraße genannt, die die Handelszentren Frankfurt/Main mit der Region Leipzig/Erfurt verband. Im 13. Jahrhundert bestand auf der Anhöhe für kurze Zeit einen Zisterzienserinnen-Kloster, an das noch heute die kleine Haager Kirche erinnert. Unverwechselbar wurde der Haagberg jedoch durch die Siedlung der Herrnhuter geprägt, der er bis heute seinen Namen verdankt: Herrnhaag.

Durch eine für die damalige Zeit herausragend tolerante Religionspolitik des Büdinger Grafen war das Büdinger Land zu einer Zufluchtstätte für Glaubensminderheiten geworden. Nach Hugenotten, Waldensern und verschiedenen Gruppen der Inspirierten fanden 1736 die Herrnhuter Brüder hier Aufnahme. Nachkommen der Böhmisch-Mährischen Brüderkirche, die auf der Reformbewegung von Jan Hus (gest. 1415) zurückgeht, hatten als Glaubensflüchtiglinge 1722 auf dem sächsischen Gut des Grafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1700 – 1760) eine neue Heimat gefunden. Der neugegründete Ort „Herrnhut“ wurde Anziehungspunkt für engagierte Christen unterschiedlicher Herkunft. Nach wenigen Jahren schon war hier eine bruderschaftliche Gemeinschaft entstanden, die „Herrnhuter Brüdergemeine“. Zinzendorf selbst war Bruder geworden und wirkte als Seelsorger und Prediger prägend in der Gemeinde. So traf es die junge Gemeinschaft hart, als Zinzendorf 1736 aus Sachsen ausgewiesen wurde. Im Büdinger Land fand er mit einem Teil der Gemeinde Aufnahme.